Roger Schaumberg

DDR: Maschinen- und Anlagen-Monteur, Kooperateur (Binnenhändler), Bürgerrechtler & Mitbegründer einer von 16 Leipziger Basisgruppen (Gruppe Neues Denken), Gründer und Organisator der Sicherheitsgruppe der Leipziger Montagsdemonstrationen (Leipzig, Herbst 89)

BRD: Konzert- & Kulturmanager (Tacheles Berlin), Vereinsvorsitzender & -Gründer, GF Konzertagentur, Sozialökologie-Studium Prof. Bahro (HUB), Kreativ-Direktor (Werbeagentur), Sprecher Sozialforum Leipzig / Veranstalter der Montagsdemos (gg. den Irakkrieg/ 2003 & die Agenda 2010/ 2004 - größte Demo je 85.000 Demonstranten), Landesvorstand Sachsen WASG, Gründer einer ökologischen Stadtgemeinschaft in Leipzig und des ZBTM (Zentrum für Bewusstseinsforschung und Transition Town Monitoring, Forschungsinstitut im Aufbau)

 

Die Parteiendemokratie der westlichen Hemisphäre - einst Vorbild für eine zivilisierte Welt - befindet sich in ihrer schwersten Krise seit der Nachkriegszeit. Autokratische, selbstverliebte Egomanen  haben die Demokratie für ihren Machterhalt ausgehöhlt. Die Parteien haben zwischen Opportunismus und Lobbyismus, Intransparenz und sozialer Umverteilung ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt. Das alles hat Populisten und Extremisten aller Coleur stark gemacht, die der repräsentativen Demokratie den Rest geben wollen. Bauernfänger sammeln die mit dem Zustand der Gesellschaft zu Recht Unzufriedenen mit schlichten Slogans und markigen Sprüchen und säen Hass und Intoleranz. Im „postfaktischen Zeitalter“ fallen die letzten Schamgrenzen: Desinformationen und eine Flut von Lügen verzerren die Realität - Orientierung fällt zunehmend schwer.

Wenn die politische Klasse und ihr Qualitätsmanagement versagt, ist der Souverän gefordert. Die Demokratie kennt zwei verantwortliche Seiten: die Gewählten und die Wähler. Wenn die Entwicklung aus dem Ruder läuft, steht der Souverän auch zwischen den Wahlgängen in der Verantwortung, die Demokratie zu verteidigen. Vor allem eine tiefgreifende Entfremdung von der Lebensrealität der unteren Hälfte der Gesellschaft und zunehmende Ignoranz, gefährden den Bestand der westlichen Demokratien. Nicht die Unzufriedenen - der Realitätsverlust der politischen Klasse stellt die Systemfrage.

Wir brauchen dringend Instrumente der Direkten Demokratie und basisdemokratische Mitwirkungs-möglichkeiten. Konsequente Subsidiarität, Rückbau bürokratischer Apparate und Überregulationen, Volksabstimmungen und Volksentscheide auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene können eine Frischzellenkur für eine Demokratie sein, die den Namen verdient. Ohne Korrekturen laufen wir Gefahr, dass sich die dunkelsten Kapitel der Geschichte wiederholen.